Gutskapelle Reuden

         

Förderverein

Die Gutskapelle Reuden

ist ein quadratischer Zentralbau mit vier kräftigen Eckrisaliten, dem Eingangsportal mit Allianzwappen im Süden und der gegenüberliegenden halbrunden Apsis im Norden. Das zur Mitte zu pyramidal ansteigende Dach trägt eine hohe quadratische Laterne mit einer Haube. Der flachgedeckte Innenraum wird an drei  Seiten von Emporen dominiert. In den Eckrisaliten befinden sich im Norden die Sakristeien und im Süden die Treppenaufgänge der Emporen.

Der im kleinen Kapellenraum monumental wirkende, hölzerne Kanzelaltar stammt aus der Bauzeit und ist eine, heute im unrestaurierten Zustand, kaum zu schätzende kostbare Arbeit. Der Altar stammt vermutlich aus einer Werkstatt im Umkreis des sächsischen Hofes aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

 

Die Gutskapelle Reuden ist 1989 eine Ruine. Auf Grund ihres Besitzstatus fühlen sich weder Kommune, das aufgelöste VEG noch die Evangelische Kirche zuständig. Engagierte Dorfbewohner, Glieder der Kirchengemeinde Saßleben und Denkmalpfleger finden sich damit nicht ab.

1997 wird der Förderverein Gutskapelle Reuden gegründet.

Neben der Einwerbung von Spendengeldern, Kreditaufnahmen und bescheidenen Eigenmitteln gelingt es, Fördergelder über die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Brandenburgische Landesdenkmalamt und das Brandenburgische Amt für Flurneuordnung zu organisieren. Der Wiederaufbau beginnt. Die nutzbare Fertigstellung ist 20004 abgeschlossen. Altar, Eingangsbereich mit Treppe und Wappenbekrönung harren noch der Wiederherstellung.Seit 2004 strahlt die Gutskapelle Reuden außen und innen (fast) wieder in alter Pracht.

Der Verein bemüht sich, die Gutskapelle einer angemessenen Nutzung zuzuführen. Dazu fehlt noch eine geeignete Bestuhlung sowie die Ausstattung einer kleinen Teeküche in der Nordsakristei.

Die wichtigsten Vorhaben der kommenden Jahre sind die Restaurierung des wertvollen Altars, eines seltenen Zeugnis sächsisch-höfischen Barocks in einer kleinen Gutskapelle und die Wiederherstellung des Eingangsportals mit Aufgang, Tür und vor allem dem ehemals so prächtigen Allianzwappen der Erbauer darüber.

Kontakt: Förderverein Gutskapelle Reuden e. V.

Über: Ev. Pfarramt Kalkwitz, Pfarrerin Martina Schmidt 03205 Kalkwitz, Wiesenstraße 7,

Tel.: 03541-2421

e-mail:dtkalk@freenet.de

www.dorf-reuden.de

 

Bankverbindung

Sparkasse Niederlausitz

BLZ 180 550 00   Kto 30 6000 9278

 

Den Schlüssel zur Gutskapelle erhalten Sie in Reuden bei Familie Roblick/Lohmann, Lindenallee 1.

Es ist ratsam, sich vorher telefonisch anzumelden.

Tel.: Roblick/Lohmann 03541-803333 oder 872993 (Werkstatt)

In den Sommermonaten finden häufig Ausstellungen statt.

Dann ist die Kapelle auch täglich geöffnet.

 

 

 

Seit ca. 1850 wird die Niederlausitz vom Braunkohlenabbau und von der Zerstörung der Kulturlandschaft geprägt. Über 50 Dörfer müssen seit den 1920er Jahren dem Bergbau weichen. Vor Inanspruchnahme werden zu DDR-Zeiten die zum Abbau vorgesehenen Bereiche zu „Bergbau-Schutzgebieten“  erklärt. Hier ist keinerlei Bautätigkeit mehr möglich. Unterschiedslos verfallen Häuser, öffentliche Einrichtungen und Kulturdenkmale. Dieses Schicksal trifft auch die Reudener Gutskapelle. Die Tagebau-Planungen hätten Calau nach dem Jahr 2000 seines nördlichen  und östlichen Umfeldes beraubt. Die Dörfer Dubrau, Kalkwitz, Saßleben, Reuden, Koßwig und Erlenau existierten ohne die Wende 1989 und die darauf folgenden Tagebaustilllegungen heute nicht mehr.

Reuden wird als „Rewden“ am 4. 1. 1447 erstmalig urkundlich erwähnt. Das Dorf ist im Besitz der Familie von Zabeltitz, die sich erst nach dem 30jährigen Krieg (1653) von der Besitzung auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten trennen muss. Der kursächsische Leutnant Matthias von Borcke, seit 1690 Besitzer von Reuden, lässt die Gutskapelle erbauen. Das Allianzwappen des Matthias v. Borcke und seiner Frau Ursula Elisabeth v. Edling krönt das Portal. Als Erbauungsdatum wird 1729 angegeben. M. v. Borcke ist allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Die heute weithin sichtbare Laterne mit Haube kommt 1861 auf die Kapelle. Ihr Erbauer ist C.L.W. Haacke, der 1860 das Gut Reuden erwirbt und es bis 1900 besitzt.

1945 wird das ‚Gut im Zuge der ostdeutschen Bodenreform aufgelöst. Die Gutskapelle geht hälftig in Volkseigentum und im Besitz des späteren Rechtsnachfolgers des Gutes, des Volkseigenen Gutes (VEG), über. Die Dorfbewohner nutzen die Kapelle* als Andachtsraum. Der Verfall beginnt in den 1970er Jahren durch den drohenden Dorfabriss vor dem Braunkohletagebau.

 

*Kapelle, Gutskapelle: Andachtsraum ohne Pfarrrechte